Harald-Lesch-Josef-Gassner-Astrophysik-Urknall

Mit dem „Urknall“ entstand das Universum. Diese Aussage ist in der heutigen Astrophysik weitgehend unumstritten. Aber gibt es eigentlich handfeste Beweise für den „Big Bang“? Und was können wir überhaupt objektiv wissen? Die beiden renommierten Astrophysiker Harald Lesch und Josef M. Gaßner schlagen in ihrem erfolgreichen neuen Buch „Urknall, Weltall und das Leben“ einen großen Bogen von der Astronomie bis zur Biologie.

Vor kurzem haben sich die Autoren Publikumsfragen gestellt. Zum Beispiel: „Gibt es Beweise für den Urknall?“

Erleben Sie die informativen und dabei überaus kurzweiligen Antworten der beiden in einer neuen Videoclip-Reihe, die wir Ihnen an dieser Stelle ab sofort regelmäßig präsentieren.

Das Buch „Urknall, Weltall und das Leben“ ist, in unserem Shop bestellt, deutschlandweit binnen 2 Tagen bei Ihnen – portofrei!

Es ist Ihnen lieber, Harald Lesch und Josef M. Gaßner einfach zuzuhören? Kein Problem! Dafür gibt es die Hörbuch-CD-Box: 470 Minuten auf 4 CDs!

Buch und CD-Box erhalten Sie im Paket besonders preiswert!

 

Zur Einstimmung hier eine ausführliche Buch-Rezension:

„Urknall, Weltall und das Leben“: Der Titel des Buches ist zugleich „roter Faden“: Die beiden Physiker beschreiben zunächst, wie aus dem unvorstellbaren Nichts das allumfassende Etwas werden konnte. Und dann, wie aus „toter Materie“ – damit „geht es ans Eingemachte“ – Leben entstehen konnte. Leben, das bewusstes Sein ermöglichte … und schließlich Menschen, die sich die Frage stellen, woher die Welt, in die sie geboren wurden, denn eigentlich kommt.

Harald Lesch und Josef M. Gaßner gelingt dabei ein bemerkenswerter Drahtseilakt: Sie beschreiben den aktuellen Stand der Forschung so, dass auch Laien einen Einstieg finden, würzen die komplexesten Zusammenhänge mit Anekdoten und Alltagsgleichnissen, bleiben aber auch in ihren Vereinfachungen wissenschaftlich korrekt. Und „so nebenbei“ beschreiben sie (durchaus nicht unkritisch) Grundlagen des wissenschaftlichen Weltverständnisses. Das alles in einem spritzigen Dialog, in dem sich die Autoren als brillante Denker, humorbegabte Sprachkünstler, aber vor allem auch als neugierige, staunende Forscher erweisen. Ein Glücksfall für wissenschaftlich interessierte Leser und Hörer („Urknall, Weltall und das Leben“ gibt es auch als Hörbuch).

Der Tag ohne Gestern

Wie komplex die „Materie“ ist, der sich die beiden in ihrem Dialog verschreiben, zeigt sich von Anfang an – schon beim „Urknall“, der ja ein Gegenwartsmoment ohne Vergangenheit, ein „Tag ohne Gestern“ gewesen sein muss. Das aber, so Harald Lesch, „widerspricht unsrem Weltbild, wir müssen immer die Frage nach dem Davor stellen und auch auf eine Antwort hoffen können. Der Grund dafür liegt in der evolutionären Entwicklung unseres Gehirns, das sich in der makroskopischen Welt perfekt an das Überleben angepasst hat. Unser Vertrauen darauf, dass vor jeder Wirkung eine Ursache steht, war für unsere Spezies von großem evolutionärem Vorteil.“

Wir können demnach nicht einfach begreifen, dass mit dem „Urknall“ auch erst die Zeit entstand. Wenn immer vom Beginn der Welt die Rede ist, stellen wir die Frage: Und? Was war vor dem Urknall? Für Harald Lesch unter den Fragen „der Klassiker! Das Amen in der Kirche.“ Und Gaßner ergänzt: „Die nächste Frage, die dann kommt, ist: Wie kann irgendetwas aus Nichts entstehen? Für einen geborenen Bayern wie mich ist das doppelt schwer. Ich bin mit der klaren Vorgabe aufgewachsen: Bua, vo nix kummt nix“.

Auch wenn es schwer zu akzeptieren ist: Wir Menschen finden uns bei unseren Bemühungen, die Welt zu verstehen, „gefangen“, so Gaßner, „in den Denkstrukturen eines Primaten-Gehirns, das bei genauerer Analyse nur in einem kleinen Geltungsbereich die Realität sinnvoll abbildet. Für uns ist etwas so oder nicht so, etwas geschieht oder geschieht nicht. Der Raum trennt dabei die Objekte, legt fest, wo etwas ist und wo nicht. Alles findet auf einer Bühne aus unveränderlichem Raum und absoluter Zeit statt.“

Die objektive Wirklichkeit ist anders. Das zeigt sich beispielsweise mit Blick auf die Expansion des Weltalls, mit der wir uns gedanklich ebenfalls schwer tun. Wenn wir vom Urknall und der seither ungebremsten Ausdehnung des Alls hören, denken wir – mangels anderer Alltagserfahrungen – meist an eine Explosion und ihre Folgen. Ein Irrtum, wie Gaßner vermerkt: „Das Universum hätte dann einen Mittelpunkt. Nur dort hätte man den Eindruck, dass sich die Dinge in jeder Richtung entfernen und wir könnten ein Schild aufstellen: Hier war der Urknall. Weil wir aber von der Erde aus beobachten, wie sich die Galaxien von uns entfernen, schließen wir daraus, dass es an jedem Ort im Universum so sein muss.“

„Hätten Sie vielleicht noch ein bisschen Nichts?“

Das heißt im Klartext: Der Mittelpunkt des Alls ist überall. Nicht die Galaxien fliegen in einem vorgegebenen Raum voneinander fort, sondern der Raum selbst dehnt sich aus, sozusagen das „Nichts“ zwischen allem, was besteht. Gaßner: „Es muss eine Art Quelle für das Nichts geben, aus der zwischen dem Etwas fortwährend frisches Nichts entspringt. Ähnlich wie ein frischer Hefeteig aufgeht, breitet sich der Raum zwischen den Galaxien aus. Die Galaxien sind dabei vergleichbar mit Rosinen, die im aufquellenden Teig mit schwimmen. Der Raum treibt sie unaufhörlich voneinander weg.“

Harald Lesch ist bewusst, wie „weltfremd“ diese Welterklärung zunächst erscheinen muss: „Eine Quelle, aus der frisches Nichts entspringt. Hätten Sie vielleicht noch ein bisschen Nichts? Ich hätte es gern in Scheiben. – Unsere Vorstellungskraft wird dabei vor große Probleme gestellt.“

Wobei schon die nächste große Frage im Raum steht: „Wie nichtig ist das Nichts, das Nichts des Physikers?“ (Lesch)

Üblicherweise unterscheiden wir ja einfach zwischen dem „Etwas“ – also der aus kleinsten „Bausteinen“ bestehenden Materie – und dem „Nichts“. Aber wenn man die Materie genauer unter die Lupe nimmt, dann zeigt sich: Materie besteht nicht aus Materie(so der Titel eines Buchkapitels).

Alles schwankt, auch die Köpfe der Denker

Überhaupt – die Welt des Kleinsten!

„Josef“, fragt Harald Lesch seinen Diskussionspartner, „weißt du, woran man erkennt, dass sich eine Gesprächsrunde mit Quantenmechanik beschäftigt hat? Nachdem die Leute stundenlang diskutiert haben, verlassen alle kopfschüttelnd den Raum.“

„Alles schwankt eben“, antwortet Gaßner, „selbst die Köpfe derer, die sich damit beschäftigen“.

Zum Beispiel deshalb, weil es im mikroskopisch Kleinsten kein „Nur-gucken-nicht-Anfassen“ gibt. „Das genaue Hinschauen verändert maßgeblich genau das, was man messen möchte“, sagt Gaßner. „Jede Messung entspricht einem Eingriff in die Natur, dabei ist es nicht einmal von Bedeutung, ob jemand diese Messung überhaupt beobachtet. Jede Wechselwirkung in der Natur wirkt insofern wie eine Messung.“

Wie sicher ist es also, dass Teilchen, die man im Experiment nachweist, auch tatsächlich existieren?

Überhaupt – die Welt der hypothetischen oder tatsächlichen Elementarteilchen … da kommen auch Fachleute bisweilen ins Schleudern. Enrico Fermi, ein berühmter Physiker, hatte sich, erzählt Gaßner, während eines Vortrags einmal verhaspelt und ein Elementarteilchen verwechselt. Als er darauf hingewiesen wurde, meinte er genervt: „Wenn ich mir all die Namen dieser Teilchen merken könnte, dann wäre ich nicht Physiker geworden, sondern Botaniker“.

Leben: Ein Jumbojet aus Schrott

Harald Lesch und Josef Gaßner beschreiben in ihrem Buch, begleitet von über hundert beeindruckenden Farbbildern, wie sich im expandierenden All Strukturen entwickelten und Katastrophen ereigneten – und wie „der blaue Diamant“, unser Heimatplanet, entstand, auf dem sich schließlich das Leben entfaltete.

Dieses Wunder mit wissenschaftlichen Methoden zu fassen, erweist sich allerdings als besonders „harte Nuss“. Zwar ist es experimentell bereits vor einiger Zeit gelungen, die „Bausteine des Lebens“ aus der „Ursuppe“ zu entwickeln (davon handelt ein Kapitel mit dem Untertitel „Der Zaubertrank des Miraculix“). Aber es ist grundlegend schwierig, das Phänomen „Leben“ zu fassen:

„Wenn du zum Beispiel ein Wassermolekül zu genau betrachtest, dann verlierst du die wesentliche Eigenschaft von Wasser, nämlich dass es unter normalen Bedingungen flüssig ist“, sagt Gaßner. „Die Eigenschaft ,flüssig‘ entspricht nicht einem einzigen Wassermolekül, sondern erst der Verbindung von vielen. Reduzieren wir das Phänomen Leben auf seine molekularen Bestandteile, so verschwinden die wesentlichen Eigenschaften, die seine Lebendigkeit ausmachen. Auf die Frage, warum Materie zum ersten Mal launisch wurde oder sich verliebt hat, werden wir auf diese Weise keine Antworten finden.“

Harald Lesch ergänzt: „Das ist wie bei einer Schallplatte. Die kannst du auch in sämtliche Bestandteile zerlegen, in ihre Atome, Quarks oder was auch immer. Die Musik, die auf ihr gespeichert ist, wirst du darin nicht finden.“

Gaßner: „Gehen wir den umgekehrten Weg und bauen das Leben aus seinen Einzelteilen zusammen, so bleibt das Rätsel ungelöst, wie etwas derartig Komplexes von selbst entstehen konnte. Fred Hoyle das das sehr treffend formuliert: ,Stellen wir uns einen Schrottplatz vor, auf dem die zahllosen Bestandteile eines Jumbojets fein säuberlich getrennt aufbewahrt werden. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein natürliches Phänomen – beispielsweise ein Wirbelsturm – die Teile derart zusammenführt, dass am Ende ein startbereiter Jumbojet vor uns steht?’“

Fazit: Arthur Schopenhauers Erkenntnis ist nach zwei Jahrhunderten aktuell wie eh und je: „Jeder dumme Junge kann einen Käfer zertreten. Aber alle Professoren der Welt können keinen herstellen.“

Quantenschleifen und andere wilde Geschichten

Der „Roundhouse-Kick“ von der Astronomie über die Quantenphysik bis zur Biologie, den Harald Lesch und Josef M. Gaßner in ihrem Buch in perfekter Technik vorzeigen, um den Bogen „vom Nichts bis heute Morgen“ (so der Untertitel des Buchs) zu spannen, lässt unausgesprochen natürlich die Frage aufkommen: „Woher wissen wir das alles?“

Und so erzählen die beiden Physiker nicht nur viel Wissenswertes über den aktuellen Erkenntnisstand – von der Suche nach außerirdischem Leben bis hin zur „dunklen Materie“ –, sondern auch darüber, auf welchen Wegen solche Erkenntnisse überhaupt gewonnen werden können. Das Hubble-Weltraumteleskop wird ebenso vorgestellt wie die Suche nach den Higgs-Teilchen im „Large Hadron Collider“, Tricks aus der Astronomie ebenso wie Theorien über „Strings, Quantenschleifen, Supersymmetrie und andere wilde Geschichten“.

Wobei Harald Lesch die feine, aber saubere Trennlinie zwischen Physik und Mathematik (auf der sich ja Theorien zur Weltbeschreibung gründen) wichtig ist: „Das Interessante an der Mathematik ist ja, dass sie sich mit Strukturen beschäftigen kann, die gar nicht existieren müssen.

In der Physik allerdings – namentlich, wenn es um den Kosmos geht –, da hat man es mit Strukturen zu tun, die sehr wohl existieren müssen. Physik ist in dem Sinne immer domestizierte, also dressierte Mathematik zum Zwecke der Naturerkenntnis. Als Mathematiker kannst du dir die wildesten Dinge überlegen. Aber wir Physiker …“

Bleibt die Frage: Ist noch Platz für Gott in der modernen Wissenschaft? Josef M. Gaßner sagt dazu:„Naturwissenschaftler haben nicht die Kompetenz, über Glaubensfragen zu urteilen, auch wenn sich in jüngerer Zeit immer mehr dazu berufen fühlen.“

Und Harald Lesch ergänzt: „Dem schließe ich mich voll und ganz an. Ob ich Atheist bin oder nicht, das weiß nur Gott allein.“

Werner Huemer