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Dieter Wiergowski, Herausgeber der Zeitung „Die andere Realität“, führte für die jüngste Ausgabe ein Gespräch mit Werner Huemer zu der neuen Buch- und Filmproduktion „Unsterblich?! – Gute Gründe für ein Leben nach dem Tod“.

Dieter Wiergowski: Für die Beantwortung der im Titel genannten Fragen spielen zwei gegensätzliche Meinungen ja eine wesentliche Rolle. Einmal: Wird der Geist vom Gehirn produziert? Oder: Ist das Gehirn lediglich der Transmitter des Geistes … Je nachdem, welche Glaubenseinstellung ich von diesen beiden verfolge, desto anders sind die Konsequenzen und Möglichkeiten. Ob sich dieses Dilemma wohl je eindeutig wissenschaftlich lösen lässt – oder bleibt es stets der persönlichen Beurteilung überlassen?

Werner Huemer: Sie haben schon irgendwie Recht, wenn Sie in dieser Frage von „Glaubenseinstellung“ sprechen. Es gibt wissenschaftlich sehr klare und eindeutige Zusammenhänge zwischen Gehirntätigkeit und dem, was als geistiges Bewusstsein bezeichnet werden kann. Aber die Frage, wie diese Zusammenhänge interpretiert werden, hängt sehr stark mit dem persönlichen Weltbild zusammen. Wir können heute beispielsweise am Bildschirm beobachten, wie sich bestimmte Emotionen im Gehirn ausdrücken, was dabei neuronal passiert. Wir wissen, dass chirurgische Eingriffe am Gehirn Änderungen in der Persönlichkeit bewirken können. Oder dass Demenz – und damit die Veränderung der Identität eines Menschen – mit krankhaften Prozessen im Gehirn zusammenhängt. Und so weiter. Diese Fakten sind nicht zu bestreiten – aber beweisen sie wirklich, dass Bewusstsein vom Gehirn produziert wird? Ebenso gut kann das Gehirn so etwas wie ein Sender-Empfänger sein, der Bewusstsein vermittelt. Wenn das „Transmissionsgerät“ nicht in Ordnung ist, kann sich das Bewusstsein nicht ausdrücken, und es kann von den Impulsen aus der sinnlichen Wahrnehmung auch nicht richtig beeindruckt werden. So betrachtet könnte Bewusstsein, könnte Geist etwas Nicht-Körperliches sein. Für Idealisten und spirituell aufgeschlossene oder religiöse Menschen, die an eine nicht-körperliche Seele glauben, ist diese Vorstellung kein Problem – für Materialisten dagegen schon. Also … Glaubensfrage!

Dieter Wiergowski: Je nachdem, welche Auffassung von den gerade genannten zwei Möglichkeiten man vertritt, desto anders sind die weitreichenden Schlussfolgerungen. Wer das Gehirn als Produzent des Geistes annimmt, der wird nicht an ein Leben nach dem Tod glauben … Obwohl es ja zahlreiche Indizien für ein Leben nach dem Tod gibt. Welches ist für Sie das eindrucksvollste Indiz?

Werner Huemer: Unsere eigene Innenwelt. Was uns als Menschen auszeichnet, uns zu Menschen und das Leben überhaupt erst lebenswert macht, ist unsere Bewusstseins- und Erlebnisfähigkeit. Die Gedanken- und Empfindungskraft, unsere Hoffnungen, Träume, die gesamte seelisch-geistige Innenwelt, die uns wahrnehmen, denken, fühlen, bewerten, nach Zielen suchen oder kulturelle Bedürfnisse entwickeln lässt, ist nicht-materieller Natur. Sie ist sozusagen „jenseitig“, denn sie liegt jenseits der sinnlichen Wahrnehmung – und auch jenseits aller Möglichkeiten, sie technisch irgendwie nachzubilden. Wir tragen, so betrachtet, Jenseitiges in uns. Das ist für mich das stärkste und unmittelbarste, weil jederzeit erlebbare Indiz dafür, dass unser bewusstes Leben nicht vom Körper abhängig ist.

Natürlich ist das ein stark idealistisch geprägtes Menschenbild. Wenn Sie demgegenüber die Visionen von Silicon Valley betrachten, so ist es nur eine Frage kurzer Zeit, bis Bewusstsein künstlich erzeugt, in Maschinen übertragen und auf diese Weise „unsterblich“ gemacht werden kann. Und viele, die heute mit künstlicher Intelligenz zu tun haben und hautnah miterleben, wie Maschinen lernen, schlussfolgern und entscheiden, fürchten schon das „Erwachen“ künstlicher Intelligenzen, die uns Menschen irgendwann unter ihre Kontrolle bringen. In der Science-Fiction-Literatur und -Filmkunst sind solche Horror-Ideen seit 50 Jahren Standard. Tatsache aber ist – und damit will ich mögliche Gefahren durch aktuelle IT-Entwicklungen nicht kleinreden –, dass wir in all den Jahrzehnten in der Frage, was Bewusstsein eigentlich ist, keinen Schritt weitergekommen sind. Das geben führende Neurobiologen ohne weiteres zu.

Um hier auf das Motto unseres Gesprächs Bezug zu nehmen: Können einmal Roboter mit wirklichem Geist erfüllt werden? Wenn „wirklicher Geist“ Bewusstsein bedeutet, dann gibt es aus meiner Sicht eine klare Antwort: Nein. Geist ist kein Produkt der Materie.

In meinem Buch habe ich die „starke KI“, also die Vorstellung, dass künstliche Intelligenz zu eigenem Bewusstsein erwachen kann, als „Killer der Seele“ bezeichnet. Denn sollte das wirklich irgendwo passieren, wäre damit wohl der endgültige Beweis dafür erbracht, dass Geist materieller Natur ist. Die traditionelle Vorstellung einer nicht-körperlichen Seele wäre obsolet. Aber das wird nicht geschehen. Stattdessen könnte das technische Scheitern in diesem Bereich eine Anregung sein, das materialistische Weltbild neu zu hinterfragen.

Natürlich gehen heute schon viele Menschen davon aus, dass die Wissenschaft irgendwann irgendwo längst bewiesen hätte, dass es keine Seele gibt. Das ist aber bei genauerer Betrachtung, wie ich in meinem Buch ausführlich dargelegt habe, nicht der Fall.

Dieter Wiergowski: Für mich ist das eindeutigste Indiz für ein Leben nach dem Tod die „Instrumentelle Transkommunikation“. Es gab und gibt Apparaturen, mit denen man bis zu 20 Minuten mit Verstorbenen sprechen kann, und zwar in hervorragender Sprachqualität. Grundlagenwerk diesbezüglich – die Leser von DIE ANDERE REALITÄT wissen das, weil wir schon häufig darüber berichtet haben – ist das Standardwerk „Instrumentelle Transkommunikation“ des Physikers Prof. Dr. Ernst Senkowski. Dies ist für mich das überzeugendste Indiz für ein Leben nach dem Tod, da Verstorbene direkt sprechen.

Mit 13 Jahren hatte ich ein Nahtodeserlebnis – aber das überzeugte mich nicht wirklich von einer nachtodlichen Existenz. Seit 12 Jahren haben wir stets im Oktober unseren Kongress „Medien und Heiler aus Großbritannien“ (Details auf Seite …). Aber auch das bzw. die Aussagen der Medien hätten mich nicht unbedingt überzeugt. Dadurch, dass Verstorbene mittels Apparaturen bestätigt haben, dass die Medien durchaus Kontakt zu ihnen aufnehmen können, bin ich auch von Medien als Vermittler von Botschaften Verstorbener überzeugt. Ihr neues Buch „Unsterblich – gute Gründe für ein Leben nach dem Tod“ ist durchaus gut. Aber es fehlt – für mich – das Wesentlichste und Beeindruckendste – nämlich die Instrumentelle Transkommunikation. Wäre dies noch drin, wäre es für mich ein sehr gutes Buch. Wieso fehlt dieses wesentliche Indiz? Vielleicht weil die Jenseitskontakte per Apparaturen noch recht wenig bekannt sind? Es gab seinerzeit fünf Apparaturen – jetzt ist die wesentliche in Mönchengladbach. Allerdings kommt man nicht mehr so leicht heran … Bei einem Interview mit Prof. Dr. Laszlo stellte sich beispielsweise heraus, dass er die diesbezüglichen Forschungen mit in seinen Schlussfolgerungen berücksichtigt. Noch einmal also die Frage: Warum fehlt dies bei Ihnen?

Werner Huemer: Ich hatte während der Arbeit zu diesem Buch überlegt, auch das Thema „Tonbandstimmen“ zu beleuchten. Für eine gründliche Recherche in diesem Bereich wäre ein Gespräch mit Professor Senkowski schön gewesen, aber ich wollte mich zunächst auf den Schwerpunkt des Buchs konzentrieren. Und der lag für mich, wie gesagt, weniger in der Suche nach dem überzeugendsten „Beweis von außen“, der ja doch immer irgendwie angezweifelt werden kann, als vielmehr im Bewusstwerden über das Wesen und das Potential unserer Innenwelt. Aber ich bleibe an dem Thema dran. Wenn ich jemanden wüsste, der mir als kompetenter Gesprächspartner anstelle des ja schon im April verstorbenen Professor Senkowski dienen könnte, würde ich gern ein Interview durchführen … und dabei, wie es bei kritischen Journalisten üblich ist, auch ein wenig „Advokat des Teufels“ spielen.

Übrigens bin ich, gemeinsam mit einem Journalisten-Kollegen aus Neckarsulm, gerade dran, die gemeinnützige Initiative „Thanatos“ ins Leben zu rufen. Unter anderem geht es uns dabei um einen YouTube-Kanal, der sich in Form von Interviews und professionellen Filmbeiträgen intensiv mit allen Fragen rund um das Sterben und den Tod befasst. Ich glaube, dass das irgendwie jeden Menschen interessiert, und ich hoffe, dass „Thanatos“ als seriöses und überkonfessionelles Projekt mittelfristig dazu beitragen kann, die Themen Tod und Sterben aus der großen grauen Tabuzone zu befreien, in der sie sich in unserer westlichen Gesellschaft heute befinden.

Dieter Wiergowski: Ansonsten geben die Nahtoderlebnisse, die sich in Ihrem Buch befinden, sicherlich interessante Einblicke und Anregungen. Dr. Raymond Moody sagte mir allerdings, dass für ihn ein Leben nach dem Tod dadurch keinesfalls bewiesen sei. Welchen Stellenwert ordnen Sie den Nahtoderfahrungen zu?

Werner Huemer: Dr. Moody hat – nach Elisabeth Kübler-Ross – die Sterbeforschung von den 1970er Jahren an weltweit vorangetrieben, aber er selbst blieb Skeptiker. Und das ist ganz gut so. Man tut einer Sache letztlich nie einen Gefallen, wenn man voreilig allzu weit reichende Schlüsse zieht.

Die Dokumentation von Nahtoderfahrungen hat im 20. Jahrhundert vor allem deshalb Aufsehen erregt, weil sie gezeigt hat, dass Menschen in Todesnähe sehr ähnliche Erfahrungen machen – unabhängig von Religionszugehörigkeit, Bildungsgrad, Alter oder Geschlecht. Das ist schon eine beachtliche Tatsache. Sie hat viele Mediziner und Forscher zu neuen Studien angeregt und auch dazu beigetragen, dass Menschen den Mut gefasst haben, über solche Erlebnisse zu sprechen, weil sie weniger Angst haben mussten, für verrückt erklärt zu werden.

Aber was immer die Thanatologie, die Sterbeforschung, dokumentierte, konnte die zentrale Frage, ob es nach dem Tod weitergeht, nicht endgültig beantworten. Denn die Fallgeschichten lagen oft weit in der Vergangenheit, die Erinnerungen waren manchmal nicht wirklich klar, die medizinischen Rahmenbedingungen unbekannt.

Die Situation änderte sich erst um die Jahrtausendwende, als der niederländische Kardiologie Pim van Lommel, der in meinem Buch auch zu Wort kommt, eine prospektive Studie ausschließlich an Menschen durchführte, die nachweislich klinisch tot waren, also über keine Gehirnfunktionen mehr verfügten. Seine Forschungen führten zu einem bemerkenswerten Schluss. Er sagt, klar und unmissverständlich, dass wir umdenken müssen: Bewusstsein kann nach seiner Überzeugung auch außerhalb des Körpers bestehen, es ist nicht an das Gehirn gebunden. Das ist schon bemerkenswert, denn auch Pim van Lommel ist Skeptiker. Das zeigt sich zum Beispiel daran, wie er mit den gängigen materialistischen Erklärungstheorien – vom Sauerstoffmangel im Gehrin bis zu körpereigenen Drogen – umgeht.

Welchen Stellenwert ordne ich Nahtoderfahrungen zu? Ich sehe sie auch nicht als endgütlige Beweise für ein Leben nach dem Tod, aber doch als klare Hinweise darauf. Denn alle die inzwischen zigtausendfach dokumentierten Phänomene – von der Ausleibigkeit bis hin zur Jenseitserfahrung – lassen sich meines Erachtens mit der Annahme einer Seele, die sich vom sterbenden Körper löst, am mühelosesten erklären.

Dieter Wiergowski: Viele Religionen haben natürlich auch das Weiterleben nach dem Tod in ihrem Angebot. In der letzten Ausgabe von DIE ANDERE REALITÄT berichtete unser Sohn Christian folgendes, was die Schreibgruppen, die die Bibel im Wesentlichen verfassten, einfach abschrieben, und zwar aus ägyptischen Mythen – aber nicht nur von dort: Wer wurde am 25. Dezember von einer Jungfrau geboren, hatte 12 Jünger und vollbrachte Wunder? Nach seinem Tod wurde er für drei Tage begraben und sei danach wieder auferstanden. Er wurde als „Die Wahrheit“, „Das Licht“ und vieles andere bezeichnet. Die meisten würden jetzt sagen, hier ist von Jesus die Rede. Mitnichten. Es handelt sich um Mithra von Persien, der um 1200 vor Christus geboren wurde. Diese und ähnliche „Fakten“ findet man auch bei vielen anderen. Wesentliche Dinge der Bibel sind zweifelsfrei einfach aus vorchristlichen Quellen abgeschrieben worden. Inwiefern ist also etwas aus Religionen für sich alleine gestellt glaubwürdig?

Werner Huemer: Da haben Sie und Ihr Sohn sicher Recht: Wer den Wert biblischer Berichte an historisch nachweisbaren Fakten messen will, kommt zu ernüchternden Ergebnissen. Aber ich denke, echte Religiosität sollte sich nicht an Überlieferungen klammern, sondern einfach möglichst nah am Leben sein. Wenn ich mich richtig erinnere, hat Gandhi einmal sinngemäß gesagt, es sei ihm völlig gleichgültig, ob Jesus Christus gelebt habe oder nicht, die Lehre der Nächstenliebe bleibe unabhängig davon wahr.

Für mich ist Religiosität ein Anstoß dafür, sich von der verkopften Wahrnehmung der Welt ein wenig zu befreien, also mehr das Herz, die Empfindung sprechen zu lassen und dem Bedürfnis nach Sinn und nach einem Geborgensein in der Schöpfung Raum zu geben. Dazu bedarf es aber nicht unbedingt einer konfessionellen Zugehörigkeit.

Religion im Sinne einer Konfession bietet zwar vielen Menschen Halt, wirkt aber gleichzeitg auch einengend. Sie fördert nach meinen Beobachtungen oft ein Scheuklappendenken, das alles, was die Wohlfühlzone des eigenen Glaubens in Frage stellen könnte, von vornherein ausblendet, und erzeugt vielleicht sogar Ängste und Abhängigkeiten. Aber eigentlich will und sollte jeder Mensch trotz seines Bedürfnisses nach Halt und Orientierung frei bleiben.

Dieter Wiergowski: Ewiges Leben: Auch hier ist man offensichtlich im Jenseits geteilter Meinung. Manche sagen durch die Apparaturen, dass das Leben ewig sei – andere teilen diese Auffassung nicht. Auch dort scheint es lediglich Vermutungen zu geben. Was glauben Sie – mag das Leben ewig sein? Obwohl man vielleicht aus unserer heutigen Definition nicht von Leben sprechen kann, sondern eher von Existenz, oder?

Werner Huemer: Es kommt wohl wirklich auf die Definition an – und wiederum auf das Weltbild. Der Naturalist wird sagen, Leben sei im Zuge der Evolution aus Materie entstanden und selbstverständlich der Vergänglichkeit unterworfen – individuelles Leben sowieso, aber auch das Leben insgesamt, denn im Universum werden irgendwann keine Energien mehr fließen und es wird aufhören zu bestehen.

Der Idealist dagegen kann „Lebendigkeit“ auch im Sinne von Bewusstsein deuten und durchaus annehmen, dass es alles Körperlich-Vergängliche überdauert.

Gehen wir einmal von dieser Definition aus, dann ist im nächsten Gedankenschritt natürlich zuzugeben: Leben nach dem Tod bedeutet noch lange nicht ewiges Leben! Vielleicht haben wir ja zwar das Potential für ewiges Leben in uns, aber wir müssen es entwickeln – so, wie ein Saatkorn seine Anlagen während einer bestimmten Reifezeit zur Entfaltung bringen muss, und es ist möglich, dass das nicht gelingt. Mache religiöse Traditionen gehen von einem „zweiten“ oder „geistigen“ Tod aus, der den Menschen treffen kann, wenn er sich falsch entwickelt und sich nur an materielle Gegebenheiten klammert.

Was Kundgebungen aus dem Jenseits anlangt – mich wundert es nicht, dass hier sehr unterschiedliche Aussagen und Ansichten zu hören sind. Denn ich wüsste keinen Grund, weshalb ein Mensch durch seinen Tod plötzlich allwissend werden sollte. Meines Erachtens bleibt das Jenseits-Erleben etwas sehr Individuelles. Es ist geformt durch eigene Gedanken, Empfindungen, Einsichten und Absichten. Eben durch das, was wir jetzt als persönliche „Innenwelt“ erleben.

Dieter Wiergowski: Ich hatte interessante Begegnungen mit unterschiedlichen Wissenschaftlern. So traf ich 1992 Burkhard Heim – er war Referent auf einem unserer von DAR organisierten Kongresse. Interessante Gespräche führte ich mit Prof. Dr. Hans-Peter Dürr, mit Prof. Dr. Moser (er war auch Referent bei uns), mit Prof. Laszlo, mit Dr. Warnke, mit Prof. Dr. Rupert Sheldrake, der auch Referent bei uns war und viele, viele mehr. Alle sprechen davon, dass es keine „Beweise“ für irgendetwas gibt – sondern lediglich Vermutungen. Was meinen Sie?

Werner Huemer: Ich nehme an, Sie meinen mit „irgendetwas“ vor allem sogenannte jenseitige Gegebenheiten. Diesbezüglich gibt es tatsächlich vor allem Vermutungen, Gedankenspiele, im besten Fall plausible Theorien, das sehe ich ebenso.

Aber auch grundsätzlich halte ich die Suche nach einem für den Verstand plausiblen Beweis für aussichtslos, weil etwas Immaterielles kaum durch materielle Methoden erfasst oder ausgeschlossen werden kann. Objektivierbarkeit und Reproduzierbarkeit mögen für die Naturwissenschaft im Zentrum stehen. Aber wenn es darum geht, meine persönliche seelische Innenwelt zu beschreiben, etwas, das ich erlebe, erfahre, das mich spontan begeistert, dann sind diese Kriterien ungeeignet.

Es gibt ja nicht nur den Beweis im wissenschaftlichen Sinn, sondern auch den Wert des Erlebens. Wenn ich an einem schönen Sommerabend in Bayreuth Wagners „Tristan“ als Droge empfinde, dann ist das eine reale Erfahrung, aber vollkommen subjektiv, wissenschaftlich nicht fassbar, irrelevant, für mich selbst aber wertvoller und impaktstärker als jede musikhistorische Beschreibung des Werks. Warum also überhaupt wissenschaftliche Beweise, wenn das Leben auf einer anderen Ebene sowieso ununterbrochen Erlebnis-Beweise dafür liefert, dass im Zentrum unseres Menschseins immaterielle Aspekte stehen?

Dieter Wiergowski: Was sagt uns die moderne Quantenphysik bezüglich eines Lebens nach dem Tod? Führt uns das weiter?

Werner Huemer: Das glaube ich nicht. Aus meiner Sicht weist die Quantenphysik einfach darauf hin, dass die materielle Welt in ihrem Wesen nicht materiell ist. Dadurch stehen hier wirklich weitreichende Neuerungen im Raum, die nicht nur viele technologische Entwicklungen im 21. Jahrhundert prägen oder beeinflussen werden, sondern vielleicht auch unser Weltbild über das Materielle hinaus heben können. Aber eine direkte Aussage zum Leben nach dem Tod lässt sich aus der Quantenphysik meines Erachtens nicht ableiten.

Dieter Wiergowski: Unser ganzes Leben könnte ein Traum sein … Was sagen Sie dazu?

Werner Huemer: Manchmal ist es ja wirklich traumhaft! Aber im Ernst: Wenn wir davon ausgehen, dass unser Gehirn Bewusstsein nicht erzeugt, sondern vermittelt, dass es also für den Geist so etwas wie einen „inkarnierten“, dem „Fleisch“ des Körpers verbundenen Zustand gibt, dann hat das natürlich weit reichende Konsequenzen. Es könnte bedeuten, dass unser eigentliches Bewusstsein eine andere Qualität hat als das Wachbewusstsein, durch das sich unser persönliches „Alltags-Ego“ definiert. Gut möglich, dass im Blickwinkel dieses nachtodlichen Bewusstseins das Erdenleben eher wie ein Traum erscheint, weil sich in dem dann größeren Seinszusammenhang viele Dinge – etwa Leid- und Schmerzerfahrungen – relativieren.

Aber ich würde „Traum“ hier nicht im Sinn von „Träume sind Schäume“ sehen. Bedeutungslos ist unser Leben meines Erachtens nicht! Wie immer wir auf die „Fragen des Lebens“ reagieren, auf die Anforderungen des Alltags, so entwickeln wir uns seelisch-geistig weiter.

Dieter Wiergowski: Letzte Frage: Könnte man sagen, wir wissen im Prinzip gar nichts – alles sind lediglich Vermutungen?

Werner Huemer: Ich bin ein überzeugter Vertreter des geflügelten Philosophen-Wortes „Ich weiß, dass ich nichts weiß“, denn ich habe mir schon oft genug in meinem Leben eingebildet, irgendein relevantes Wissen zu haben, nur um dann später auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt zu werden … dorthin, wo man von vorn beginnt.

Andererseits aber sehe ich in der Verallgemeinerung „Und wir wissen ja doch nichts …“ auch die Gefahr, einen seelischen Schulterzuck-Reflex zu entwickeln. So nach dem Motto: Wieder mal eine neue Theorie, eine neue Therapie, ein neuer Ansatz, ein neues Buch – ganz nett zwar, aber was soll’s … letztlich können wir eh nichts wissen!

Diese Haltung wird, glaube ich, dem Leben nicht gerecht, denn einiges können wir doch wissen oder spüren, wenn wir neben dem Verstand auch der Empfindung und Erlebnistiefe Bedeutung beimessen. Jeder Mensch schreitet im Erkenntnisprozess durch seine persönlichen Erfahrungen und im Austausch mit anderen voran. Deshalb sollte im Bewusstseinshintergrund nicht der Trugschluss Platz greifen: „Wenn sowieso nichts gewiss ist, dann ist es auch egal, was ich im Leben tue und lasse.“

Das Bewusstsein, bald sterben zu müssen, rückt bei fast jedem Menschen die wirklich wichtigen Dinge in den Vordergrund: Seinen Frieden mit anderen zu finden, Probleme zu lösen, Mitmenschen zusammenzuführen, ihnen Liebe zu bezeugen. All das, wonach das Gewissen ein Leben lang gedrängt hat – vielleicht oft vergeblich.

Das zeigt, dass in uns neben den intellektuellen Fährigkeiten noch andere, wesentlichere Qualitäten ruhen, die treffend mit dem Begriff „Menschlichkeit“ beschrieben werden können. Auch im Gewissen steckt bekanntlich ein Wissen. Ich halte es für klug, dieser manchmal vielleicht unangenehmen und Verantwortungsbewusstsein einfordernden innere Stimme nicht erst im letzten Moment des irdischen Lebens zu folgen. Und auch, sie nicht durch eine Haltung undifferenzierter Skepsis oder Gleichgültigkeit zu trüben.

Dieter Wiergowski: Ich bedanke mich für das Interview.

Das Gespräch bezieht sich auf die neue Buch- und Filmproduktion „Unsterblich?! – Gute Gründe für ein Leben nach dem Tod“

In der neuen Filmdokumentation „Unsterblich?!“ sowie in den dazugehörigen gleichnamigen Buch folgt Werner Huemer den Spuren der Thanatologie, der Philosophie und der Naturwissenschaft. Er ergründet, ob die alten religiösen Überlieferungen, die von der Existenz einer unsterblichen Seele sprechen, wirklich wissenschaftlich widerlegt worden sind; wie glaubwürdig Menschen mit Jenseits-Erfahrungen tatsächlich sind und ob der alte Menschheitstraum von der Unsterblichkeit endgültig ausgeträumt ist – oder doch nicht.

Sehen Sie hier einen Trailer:

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Hinweis: In unserem Verlag erschien von Werner Huemer zuletzt das Buch „Über den Kopf hinaus – Was ist das Wesen unserer Gedanken?“ sowie der dazugehörige Dokumentarfilm „Die Macht der Gedanken“. Beide Titel sind jetzt preiswert im Paket erhältlich.