Ernst-Peter-Fischer_Wissenschaftsgeschichte

Ganz im Gegenteil. Wissenschaft entzaubert die Welt nicht, sondern verzaubert sie – vorausgesetzt, die Erkenntnisse werden richtig vermittelt. Warum es gerade daran in der Praxis oft mangelt, erklärt in unserem aktuellen Interview der Wissenschaftshistoriker Ernst Peter Fischer anhand eindrucksvoller Beispiele. Und er untermauert seine Kritik, die er kürzlich öffentlich geäußert hat: „Naturwissenschaft und Bildung gehören in Deutschland nicht unbedingt zusammen.“

Ausgehend von seinem neuen Buch „Die Verzauberung der Welt – eine andere Geschichte der Naturwissenschaften“ (Siedler Verlag) beleuchtet Fischer in unserem Gespräch grundlegende Probleme der Wissensvermittlung. Und er wehrt sich dabei vehement gegen die gängige Aussage von Soziologen oder Forschern, die Wissenschaft würde die Welt entzaubern. Langweilig machen gewissermaßen:

„Das ist eine Beleidigung der Naturwissenschaft – und das kann ich nicht ertragen.“

Was man in der Wissenschaft als „Wahrheit“ findet, müsse so formuliert werden, dass es sein Geheimnis behält. Denn schon Aristoteles erkannte, dass Menschen vor allem deshalb nach Wissen streben, weil sie Freude an der Wahrnehmung der Welt haben.

Wir sollten uns diese Freude – das Schönste, was wir haben – nicht „von den belehrenden Kräften der Gesellschaft“ rauben lassen. Das Grundgefühl, dass in allem etwas Geheimnisvolles steckt, muss unbedingt bewahrt bleiben!

Fischer plädiert deshalb dafür, in der Bildung auf die kindliche Wahrnehmung der Welt zu reagieren. Denn Kinder stellen besonders spannende Fragen – und formulieren bisweilen auch interessante Antworten. Zum Thema Schwerkraft beispielsweise: „Die Gegenstände fallen deshalb nach unten, weil die, die nach oben fallen, schon weg sind!“

Zuletzt führt unser Gespräch in das spannende Thema „Glaube und Wissen“.

Vertragen sich Naturwissenschaften und Religion?

Ja, meint Fischer – und weist so nebenbei auf einen psychologisch interessanten Aspekt hin: Im Glauben könne man sich sicher fühlen. Bei einem Wissen ist man indes nie sicher, ob es nicht mit neuen Erfahrungen und Erkenntnissen verloren geht. „Insofern sind Leute, die glauben, besser dran als Leute, die wissen“.

Werner Huemer

 Gott und die anderen Großen 

Ernst Peter Fischer ist Autor des Buches „Gott und die anderen Großen“. In unserem Shop bestellt, ist das Buch binnen 2 Tagen bei Ihnen – deutschlandweit portofrei!

Wissen und Glauben fanden sich in bedeutenden Köpfen der europäischen Kultur schon oft zusammen, vor allem dann, wenn sie dabei das Größte – den Kosmos – und das Kleinste – das Atom – erkunden.

Albert Einstein formulierte: „Naturwissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Naturwissenschaft ist blind.“

Warum wird Gott wieder interessant, wenn das Weltall und seine Bausteine vermessen werden sollen? Wird der wissenschaftliche Mensch zuletzt religiös, wie Max Planck meint, wenn er das Erlebnis der Erkenntnis hat und sich zu seinen Gefühlen bekennt?

Wer erkundet, welches Bild sich die großen Forscher auf der Erde von dem großen Gott im Himmel gemacht haben, wird staunen. Kann man Gott wirklich zutrauen, den Ablauf der Dinge dem blinden Zufall zu überantworten? Einem Schöpfer, den man auf der anderen Seite für die zentrale Ordnung verantwortlich macht, die Forscher erfahren und erleben und die sich gegen jeden Kleinmut durchsetzt? Könnte der Glaube an den Schöpfer auch ohne Wunderereignisse auskommen.

Albert Einstein sagte: Ja. Mit dem Wissen kann der Glaube wachsen. Der Gott der anderen Großen lässt es erkennen.

Auch du bist – das bedenke heiter,
ein andrer anderen, und nichts weiter.
Eugen Roth