Was-ist-der-Mensch

Der Mensch ist sich selbst noch immer das rätselhafteste Wesen. Die Wissenschaften vom Menschen haben daran wenig geändert. Sie messen aus, was messbar ist und erklären, was mit wissenschaftlichen Mitteln erklärbar ist. Aber erklären sie den Menschen? Den Menschen nicht allein als Wesen unter anderen Wesen, den Menschen nicht allein als wissenschaftliches Objekt, als möglichen Gegenstand wissenschaftlicher Analysen, sondern auch in seiner Selbstwahrnehmung, in seinem Selbstverständnis und in seiner Selbstdarstellung?

Erklärt der wissenschaftliche Verstand zum Beispiel Vernunft und Leidenschaft, das Rationale und das Irrationale, den Verstand, der er selbst ist?

In Teilen sicher, wie Biologie, Medizin und Psychologie lehren, doch ist der biologische, der medizinische und der psychologische Verstand schließlich selbst von der Art, die hier erklärt sein will. Erklärt, begreift das, was alles erklärt und begreift, auch sich selbst?

Für den wissenschaftlichen Verstand mag dies reichlich philosophisch und damit, so meinen viele, noch immer vorwissenschaftlich, zumindest wissenschaftsfern klingen. Dieser Verstand ist in seinem Wesen reduktionistisch eingestellt, auf Erklärungen aus einem Prinzip, und das, so scheint es, gilt auch hinsichtlich dessen, was sich als philosophischer Verstand in die Geschäfte des wissenschaftlichen Verstandes mischt.

Doch so sehen die philosophischen und die wissenschaftlichen Dinge wohl doch nicht mehr aus. Die Philosophie hat gelernt, sich in einer Welt einzurichten, die sich in immer größeren Teilen der Arbeit des wissenschaftlichen Verstandes verdankt, und die Wissenschaft hat gelernt, dass Wirklichkeit, auch eine Wirklichkeit, in der sie selbst lebt und arbeitet, nicht allein das ist, was wissenschaftlich der Fall ist.

Unsere Probleme, so ließe sich auch sagen, tun uns auch heute nicht den Gefallen, sich entweder als philosophische oder als wissenschaftliche Probleme zu definieren.

Auch verbinden sich in dem Maße, in dem die Welt mehr und mehr zum Werk des Menschen wird und dieses Werk sich den Menschen anzueignen beginnt, zunehmend wissenschaftliche Entwicklungen, zum Beispiel in Gentechnik und Reproduktionsmedizin, mit philosophischen, vor allem ethischen Fragen, und philosophische Entwicklungen mit wissenschaftlichen Fragen – und Antworten. –

Von diesen Fragen (und Antworten) ist im Beitrag von Professor Dr. Jürgen Mittelstraß unter einer anthropologischen und ethischen Perspektive die Rede.

Hier finden Sie das PDF des gesamten Vortrags zum Gratis-Download:

19705_Script_Was ist der Mensch